Andreas`Trauma (PTB) durch Verlust des Vaters im Alter von 13 Jahren

Die wenigsten Hypnose-Behandlungen verlaufen derart dramatisch, intensiv und sind auch von schmerzhaften also sehr unangenehmen Emotionen begleitet:  Bei der Behandlung von *Andreas handelte es sich allerdings um ein tiefes Trauma, an dessen Verarbeitung auch die reinigende Begegnung mit abgekapseltem Trauerschmerz gekoppelt ist.
*Andreas ist ein hier zur Anonymisierung verwendeter Deckname

Vorgeschichte: Andreas war 46, als er in meine psychotherapeutische Praxis kam. Es häuften sich seit längerem viele Belastungen sowohl in seinem privaten wie auch im beruflichen Lebensbereich. In seinem alten Beruf als ausgebildeter Handwerker konnte er aus körperlich bedingten Gründen nicht weiter arbeiten. Er wollte aber wieder arbeiten, insbesondere da Arbeit für ihn mehr bedeutete als Gelderwerb, ihm stets überwiegend Sinnbefriedigung und Stabilität gegeben hatte. So hatte er es von seinem Vater als Leitbild übernommen. Da er noch keine praktikable Idee hatte und ihm die Angebote zur Umschulung keine wirkliche Alternative boten, war dieses stabilisierende Lebensfeld für ihn offen bzw. litt er zunehmend an einer schleichenden Destabilisierung. Die Beziehung zur Ehefrau verschlechterte sich ebenso wie die Beziehung zum gerne angenommenen Sohn, den seine Frau mit in die Ehe gebracht hatte, als dieser 5 jahre alt war. Der Sohn zog kurz vor Andreas  Behandlungsbeginn mit 20 Jahren von zu Hause aus und heiratete eine Frau, die ihn weiter von seiner Herkunftsfamilie weg und damit auch zu Andreas auf Distanz brachte. Andreas flüchtete in eine neue Liebesbeziehung und brach mit seiner Ehefrau, die sich inzwischen ebenso innerlich sehr verändert hatte und in esoterische Kreise abgewandert war, mit denen er nichts anzufangen wusste. Er begann zu trinken und drohte eine zeitlang zu versacken. Er fing sich jedoch aus eigener Kraft wieder und entdeckte das Fitness-Training als Möglichkeit zu kompensieren, Spannungen abzubauen und sich zu stabilisieren. 

Symptome: Andreas schilderte seine Symptome einer beginnenden depressiven Episode: Sinnlosigkeitsempfinden und Leere, Appetit- und generelle Lustosigkeit, einen ständig wiederkehrenden Druck im Brustbereich, sich wiederholende negative Gedankenketten bzw. Grübeleien und Schlaflosigkeit.

Rahmen und Ziele: In den ersten gesprächstherapeutischen Sitzungen gilt es in der Regel viele lebens-geschichtliche Daten und Erlebnisse abzufragen, so wurde auch die Herkunftsfamilie von Andreas thematisiert. Bereits in dieser frühen Situation gab Andreas an, dass sein Vater gestorben war, als er selbst 13 war - und fügte hinzu, dass er darüber auch gerne einmal sprechen würde. In den ersten Sitzungen wird in der Regel noch kein Thema vertieft, sondern vermehrt Information und die Erwartungen des Patienten eingesammelt, um dann ein vorläufiges Behandlungskonzept herauszuarbeiten und die "Spielregeln" der Therapiesitzungen zu kommunizieren.

Die therapeutischen Ziele der anvisierten Kurzzeittherapie wurden nach den ersten beiden gesprächs-therapeutischen Sitzungen wie folgt festgelegt:

- Besserung der seelischen Symptomatik, Besserung der psychovegetativen Symptomatik.

- Unterstützung bei der Verarbeitung der beruflichen Situation und bei der Neu-Positionierung

- Unterstützung bei der Verarbeitung der familiären Beziehungskonflikte.

- Klärung des möglicherweise traumatisch erlebten Verlusts des Vaters im Alter von 13 Jahren.

Therapeutischer Verlauf: Bereits nach wenigen gesprächstherapeutischen Sitzungen fühlte sich Andreas entspannter. Das Aus-Sprechen-Können über seine Problemthemen und im Mittelpunkt der professionellen Aufmerksamkeit zu stehen, tat ihm sichtlich gut. Nach einigen weiteren Sitzungen stand für ihn seine Beziehung zu seiner Frau in einem anderen Licht. Beide erwiesen sich als grundsätzlich beziehungsfähig und willens sich auf den anderen einzulassen. Sie begannen offener miteinander zu reden, veränderten ihr Umgehen miteinander. Sie entdeckten ihre Wertschätzung dem anderen gegenüber und fanden schließlich auf einer erneuerten Basis wieder zusammen. Aus der Beziehungskrise haben beide offenbar vieles Wichtiges mitnehmen und lernen können. Die Therapie gab hierzu lediglich einen Anschub.

Neudefinition der Therapieziele: Dennoch löste sich nicht alles in ein "Happy-End-Gefühl" auf, sondern es blieb ein für Andreas spürbarer und tiefer liegender Schatten bestehen, den wir nach einigem gemeinsamen Sinnieren identifizieren konnten. Das grundsätzliche Lebensgefühl wurde überlagert von dem traumatischen Verlusterlebnis, mit 13 Jahren den Vater verloren zu haben. Es galt nun dieses Trauma zu bearbeiten und möglichst weitgehend aufzuarbeiten oder sogar aufzulösen. Damit sollten auch für Andreas spürbare Veränderungen im Lebensgefühl und in der Lebenssituation, sowie natürlich eine Verbesserung oder Auflösung der Symptomatik zu registrieren sein.

Exploration zur Vater-Sohn-Beziehung: Andreas`Vater war im Alter von 40 und jedenfalls für Andreas selbst völlig überraschend an einem Herzinfarkt gestorben. Er hatte bis dahin eine sehr enge und offenbar deutlich überwiegend positive Beziehung zu seinem Vater, der selbst Handwerker mit ihm zusammen werkte und von dem er viele Dinge gezeigt bekam und lernte. Der Vater hatte neben einem insgesamt guten und auch körperlichen Kontakt zu seinen Kindern und seinem Verständis für Fehler und Unreife auch einen empathischen Sinn für angemessene Führung bzw. Erziehung. Er legte Wert auf Spielregeln und Zuverlässigkeit und lebte das auch selbst. Er galt Andreas und seinem 3 jahre älteren Bruder durchaus als ein Vorbild, als ein positives Modell für "So kann ich sein" bzw. "so etwa will ich selbst werden". 

Zur Trauma-Bildung: Mit der Hiobsbotschaft vom Tode seines Vaters erstarrte Andreas innerlich, seine spontane Reaktion war regelrecht Unglauben, er konnte es nicht fassen und erst recht nicht bewerkstelligen, den Tod als Fakt zu akzeptieren. Er konnte keinen Sinn erkennen und das lähmte ihn. Er konnte nicht wirklich weinen; es war, als würde der Schmerz wie ein Stachel in ihm stecken bleiben und sein Gift ausströmen. Allmählich musste er sich an den Gedanken gewöhnen, doch ging er nicht zur Beerdigung und er reagierte aggressiv auf andere, die den Tod seines Vaters ansprachen.  Er selbst erinnerte seine Wut auf seinen Vater, von dem er sich verlassen und im Stich gelassen fühlte; später haderte er wütend mit dem Schicksal und mit Gott. Das Leben musste auch ohne den Vater weiter gehen, aber das Trauma, sich mit einem Schlag allein-gelassen zu fühlen, der Schmerz und die Traurigkeit, die hinter der Wut liegen, blieben abgekapselt und unverarbeitet. Diese unverarbeiteten Emotionen bildeten jenen großen Schatten auf seiner Seele und dämpften zeitlebens seine Emotionalität und Lebensfreude.

Die ersten Hypnose-Sitzungen: Andreas war suggestibel und gegenüber der Hypnose ohne Vorbehalte; er hatte auch inzwischen an Vertrauen zu seinem Therapeuten gewonnen. In den ersten Hypnose-Sitzungen ging es vermehrt um den Aufbau von positiven inneren Ressourcen.  Das entspricht der üblichen Vorgehensweise gerade bei Traumata, persönliche Erfahrungen oder Vorstellungsbilder zu finden und zu verankern, die dann in den nachfolgend geplanten kritischen Sitzungen, nämlich eine Begegnung mit dem Vater herbeizuführen, als positive Ressource genutzt werden können. Dazu gehörte hier auch die Entwicklung einer Vorstellung von einem "Sicheren Ort", an dem der Patient sich ausgesprochen geborgen und wohl fühlt. Mit diesem  Vorstellungsbild und den damit eng verknüpften Emotionen von Sicherheit und  Geborgenheit kann dann aktiv gearbeitet werden, um den Patienten von diesem Ort aus einen kurzen Ausflug in die Begegnung mit dem Vater machen und ihn dann auch wieder in diese Sicherheitszone zurückkehren zu lassen. Auf diese Weise lassen sich mögliche heftige unwillkürliche Reaktionen steuern bzw. dosieren. 

Die Hypnose-Rückführung: Man bezeichnet in der Fachwelt ein stufenweises Zurückgehen in der Biografie eines Menschen während der Trance-Sitzung als Hypnose-Rückführung. Dabei werden im Trancezustand Erinnerungsbilder hervorgerufen, die einer bestimmten Zeit zugeordnet werden. Gewöhnlich werden Schlüsselsituationen wie Abitur oder Schulklasse 10 oder 7 oder Geburtstage eben in dieser umgekehrten Chronologie verwendet, um den Patienten in dies gewünschte Zeit zurückzuführen. Die meisten Patienten berichten über ihre Überraschung wie viele Erinnerungsbilder dann allmählich auftauchen, die sie längst als vergessen glaubten.

Die Explorative Phase in der Hypnose: Ich führte Andreas relativ zügig in diese Zeit, als er 13 war. Wie üblich verabredete ich mit Andreas in sprachlichem Kontakt zu bleiben. Das bedeutet, dass er mir mit geschlossenen Augen während der Trance  etwas mitteilen kann bzw. dass wir auch während der Trance uns miteinander austauschen können. Auch ich kann also Fragen an ihn richten, auf die er dann antwortet. Dieses erforschende Vorgehen während der Trance Informationen zu sammeln nennen wir Explorative Hypnose. Die Sprache der Hypnose ist in der Regel leise und langsam. Der Patient liegt auf der Relaxliege, und ich sitze auf einem Stuhl relativ nahe bei ihm - so dass wir auch nicht laut reden müssen, um verstanden zu werden.

Die erste kritische Begegnung: Nachdem in der Rückführung die Umstände und Örtlichkeit der damaligen Zeit vor dem geistigen Auge vergegenwärtigt sind, und Andreas damit ein lebendiges Erlebnis seiner Zeit als er 13 war vor Augen hat - sprichwörtlich in vielen BIldern oder Szenen, die dann von alleine aufkommen - führte ich Andreas konkret in die Begegnung mit seinem Vater. Ich ließ ihm dabei Zeit auf meine kurzen Hinwreise hin seine Bilder aufkommen zu lassen zu Szenen aus dem Alltag mit dem Vater und insbesondere auch die Situationen, die ihm am meisten Spaß gemacht haben. 

Die Steuerung der Imaginationen: Während dieses Ablaufs befinden wir uns in Kontakt, zumeist frage ich ihn etwas und er antwortet. Ich kann auf diese Weise feststellen, ob und wie die suggerierten Imaginationen bei ihm ankommen, und ich kann dadurch auch den weiteren Verlauf steuern: Vertiefen, Konkretisieren, Wiederholen, aus einer anderen Perspektive betrachten, Verändern oder Relativieren. 

Der Kontakt zum Schmerz: Bei Andreas geschah der Kontakt zu den abgekapselten Emotionen von Wut und Trauerschmerz unmittelbar und wie von selbst. Es erfasste ihn urplötzlich im ganzen Körper und brach aus ihm heraus, so als habe es lange darauf gewartet, nach Außen gelangen zu können. Weinkrämpfe und heftiges Atmen zeugten von einem intensiven Erleben während er zum Teil im inneren Dialog mit seinem Vater sein Empfinden ausdrückte, in der ersten Sitzung noch von Wut und dem Vorwurf geprägt, wie der Vater ihn alleine lassen konnte. Wut und Schmerz fluteten gleichzeitig wie in Wellen auf, so als wollten diese beiden Emotionen miteinander um die Vorherrschaft konkurrieren. Wir waren zweifellos zum Kern des Traumas vorgedrungen. In dieser hochgradig erregten Phase war ich ihm noch näher gekommen, legte meine Hand auf seine Schulter und begleitete empathisch seine sprachlich ausgedrückten Empfindungen. Diese Kernphase der kritischen Begegnung dauerte nicht länger als 2-3 Minuten und mündete darin, dass er die Augen öffnete und seine Verwirrung allmählich wieder im Hier und Jetzt ordnete.

Die Nachbesprechung: In der Nachbesprechung werden die inneren Erlebnisse gemeinsam reflektiert und dahingehend ausgewertet, dass auch der Verstand nachvollziehen kann, was gerade passiert war. Dabei kommen viele Details zur Sprache, die der Patient erlebt hatte, Bilder, Szenarien und Empfindungen, die sich im Trancezustand verdichtet, ihn überrascht und ergriffen hatten. 

Die weiteren kritischen Begegnungen: Recht bald in der Zeit danach schilderte Andreas einen Traum, den er in der Nacht vor der jetzt anstehenden Sitzung erlebt und erinnert hatte. Der Traum beinhaltete eine Szene aus seinem 13. Lebensjahr, als er mit seinem Bruder vor ihrem Haus stand, und ein weißer offener Oldtimer-Sportwagen mit Speichenrädern heranfuhr. Er erkannte im Traum seinen Vater, und er hörte sich selbst zu seinem Bruder sagen: "Was will der denn jetzt hier? Jetzt braucht der auch nicht mehr zu kommen!" Ärger und Wut sowie tiefer liegende Enttäuschung schwingen unmittelbar in diesem recht klaren Traum mit.

Verwendung von Träumen in der Hypnose: In der modernen therapeutischen Hypnosebehandlung werden gerne Träume bzw. Trauminhalte genutzt, um über die dort mehr oder weniger symbolisierte bzw. verschlüsselte Dramaturgie einen direkten Zugang zu den ünbewussten Bereichen unserer Psyche zu erhalten und um damit die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Es handelt sich um eine unmittelbare und wirkungsvolle Form der Kommunikation mit dem Unbewussten, das über die Träume Angebote an das rationale ICH aussendet; diese Angebote stellen Impulse zur Integration dar zwischen Rationalität und Emotionen, zuweilen eben auch Impulse der Wünsche nach Harmonisierung und Versöhnung.

Wandlung von Wut in Trauerschmerz: Der oben beschriebene Traum bildete das Ausgangsszenarium in einer Hypnosesitzung. Es ersetzte die zuvor verwendete Methode der Rückführung, indem ich Andreas nach der Erzeugung einer tieferen Trance direkt in die Traumszene hineinführte. Der Ablauf ähnelte der ersten kritischen Sitzung. Andreas kam erneut schnell in Kontakt mit seinen Gefühlen und stellte sich eine zeitlang seiner Verwirrung. Wie sich dann in der Nachbesprechung ergab, erlebte er nur anfangs das Gefühl von Wut, das sich schnell wandelte bzw. auflöste in Enttäuschung und Trauerschmerz über den Verlust seines Vaters.

Erste Fortschritte: Dieser Wandel bedeutete bereits einen Fortschritt in der Verarbeitung des Traumas. Die Wut entspricht nämlich einer kindlichen Erlebnisweise; diese berücksichtigt nicht die reifere Perspektive des sogenannten "gesunden Menschenverstands", dass der Vater seinen eigenen Tod nicht absichtlich herbeigeführt hatte, das also etwas anderes ist als z.B. die Entscheidung eines Familienvaters, der Frau und Kinder verlässt, um anders zu leben. Diese Wut entspricht der emotionalen Reaktionsweise, wie er damals als KInd empfunden hatte und wie es sich als solche abkapselte und speicherte. Das Gefühl der Wut wandelte sich während dieser Sitzung in einen reinen Trauer- und Verlustschmerz, und das bedeutete mindestens, dass die Selbstheilungskräfte bereits einen Teil der kindlichen Verletzung bewältigt oder sogar aufgelöst hatten. 

Der weitere Therapieverlauf: Die schwierigste Phase  hatte Andreas in diesen beiden Sitzungen bereits erarbeitet und bewältigt. Es gab weitere kritische Begegnungen mit seinem Trauerschmerz, die sich aber zunehmend in der Intensität abschwächten. Das Gefühl von Wut gegen seinen Vater tauchte überhaupt nicht mehr auf; es blieb bis zuletzt noch eine Weile das Hadern mit dem Schicksal und mit Gott, das sich mit der Schlüsselfrage verband "WARUM ICH?". Auch diese Frage verblasste nach und nach in seiner Bedeutung in dem Maße wie er die Gegebenheiten als sein Schicksal vermehrt annehmen konnte. Es gab in den nachfolgenden Monaten eine Reihe von erinnerten Träumen, die mit diesem Thema in Verbindung standen, und die wir teilweise erneut zur Kommunikation mit dem Unbewussten nutzten. Insgesamt entdeckte Andreas seinen Vater wieder, indem er von dem zehrte, was er von ihm gezeigt und bekommen hatte - und das umfasste weit mehr als ein Gefühl für das Handwerkliche.

Die Überprüfung der Therapieziele und die Bewertung des Erfolgs: Gemessen an dem formal definierten Ziel, dieses Trauma zu bearbeiten und möglichst weitgehend aufzuarbeiten oder sogar aufzulösen, darf dem Patienten zunächst bestätigt werden, dass er sich mit großen Mut auf einen Prozess eingelassen hatte, der für ihn eine Reise ins Ungewisse bedeutet haben musste.  Entsprechend fiel die Ernte für ihn ausgesprochen reichhaltig aus. Das Trauma im engeren bzw. klinischen Sinn darf als vollständig aufgelöst betrachtet werden. Was bleibt ist die ganz normale Traurigkeit und Wehmut, die zuweilen bei Erinnerungen an die verstorbenen Eltern aufkommen ebenso wie der Gedanke an die eigene Endlichkeit.

Bewertung des Erfolgs bezüglich der depressiven Symptome - Sinnlosigkeitsempfinden und Leere, Appetit- und generelle Lustosigkeit, einen ständig wiederkehrenden Druck im Brustbereich, sich wiederholende negative Gedankenketten bzw. Grübeleien und Schlaflosigkeit - sind allesamt sehr schnell bereits nach der ersten kritischen Sitzung zurückgegangen und spielen heute für Andreas keine lebensbeeinträchtigende Rolle mehr. 

Bewertung des Erfolgs bezüglich Lebensgefühl und Selbst-Positionierung: Andreas selbst beschrieb es als eine neu gewonnene Leichtigkeit in allem seinen TUN, mehr Energie und mehr Freude in seinem Handeln; ein beständiger Druck, der auf ihn (auch körperlich im Brustbereich) gelastet hatte, ist einfach weg und von ihm abgefallen. Im Beruflichen scheint er jetzt auf einen praktikablen Weg zu kommen, sich durch eine Selbständigkeit eine neue Basis schaffen zu können. In der Partnerschaft war es ja gleich zu Beginn zu einem positiven Wandel gekommen; auch gelang es ihm die Beziehung zu seinem angenommenen Sohn wieder aufzugreifen und auf eine leichtere Weise zu gestalten. Wie er selbst es beschreibt scheint sich die Veränderung seiner Beziehung zu seinem Vater offenbar auch auf seine Rolle als Vater positiv ausgewirkt zu haben.

Meine fachliche Bewertung der Therapie: Einige Therapie-Schulen und Trauma-Spezialisten mögen einwenden, dass es sich bei diesem Fall nicht um eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTB oder PTBS) handelte, da typische Erscheinungsformen , die eine PTB kennzeichnen, fehlen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Flashs oder Flash-Back-Erlebnisse, die ungefragt häufig mit Panikattacken verbunden in den täglichen und über Albträume in den nächtlichen Erlebnisraum einbrechen. Zudem gab es keine Vertärker-Auslöser (sogenannte trigger), welche einem Reiz ähneln, der in der ursprünglichen Trauma-Situation wahrgenommen worden war. Diese typischen Begleiterscheinungen einer PTB treten stets in gewalt-geprägten Traumata auf, die auch mit den Gefühlen der Fremdbestimmung und Hilflosigkeit verbunden sind. Das Gefühl der Fremdbestimmung und Hilflosigkeit war jedenfalls wenn auch mit anderen Akzenten auch für Andreas ein zentrales Thema, da aus seiner Perspektive als 13-Jähriger über sein Leben wirkungsvoll bestimmt worden war, und er sich gegenüber dem Verlust des Vaters macht- bzw. hilflos fühlte. Das Gefühl der Fremdbestimmung und Hilflosigkeit fomierte sich aber nicht in eine Form von Flash-Back-Erlebnissen, die häufig auch die Angst transportieren, das Trauma könnte hier und jetzt wieder passieren (wie z.B. bei Vergewaltigungen) - sondern transformierte sich in eine schleichende untergründige Depression. Diese Art der Transformation erscheint zwar nicht ganz so spektakulär, gibt es aber nicht selten und führt dazu, dass ein Trauma häufig erst gar nicht als solches identifiziert wird.

Zusammenfassend sei angefügt, dass Andreas die Therapie nach 50 Sitzungen beendete. Sie war für eine Traumabehandlung relativ kurz und sehr erfolgreich und sie zeigt, wie viel weniger als zumeist vermutet der Therapeut und die Hypnose selbst die Heilung unmittelbar bewirken; vielmehr stellt der Therapeut in der richtig angelegten Hypnose lediglich den Rahmen her, in dem die Selbstheilungskräfte sich wirksam ausbreiten und entwickeln können.

Gerd Huss